Shoot the Messenger!

Fast zehn Jahre ist es her, dass die kleine israelische Firma Mirabilis Ltd. ihr kleines Programm ICQ (”I Seek You”) vorstellte und damit die Instant-Messaging -Revolution startete.

ICQ war so eine Art Mittelding aus Chat und eMail - und ist aus der heutigen Webwelt nicht mehr wegzudenken. Instant Messanging ist - wie es der Name schon sagt so herrrlich ‘Instant’ - also ein kleiner Chat. Anstatt eines eMail-Ping-Pongs spart man sich Zeit und Nerven, um Fragen schnell und unbürokratisch zu erledigen. Im Online-Business ist Instant Messaging ebenso Pflicht wie eMail.

Doch wie allen praktischen Sachen im Internet kommt das Instant Messaging nicht ohne Stolpersteine aus und diese heissen: AOL, Yahoo!, Microsoft und seit neuestem Google mit Jabber. Die Uneinigkeit dieser Grossen führt einmal mehr zu unnötigen Problemen für den Otto-Normal-User.


Der riesige Startbildschirm von ICQ ist vollgepackt mit Werbung - die Kollegen von AIM, Yahoo! und MSN sind aber auch nicht besser.

Der Fluch des Instant Messaging ist, dass die Produkte der verschiedenen Anbieter nicht miteinander reden. Wer ICQ verwendet, der kann mit keinem Yahoo!-Anwender messagen - basta!

Im Gegensatz zur eMail gibt es hier keinen Standard oder Austauschformat, AOL, Yahoo! und Microsoft kochen einmal mehr jeder sein eigenes Süppchen. Keiner der Herrschaften hat sich auch nur einen Inch auf den anderen zubewegt. Stellen Sie sich vor Sie könnten von einem T-Mobile-Handy niemanden ausser andere T-Mobile-Kunden anrufen. Wie schrecklich unpraktisch ist denn das?!

Das führt dazu, dass viele Online-Awender sich einen (bisher) kostenlosen Account für jeden Service zulegen, um mit allen Freunden, Kollegen und Verwandten ‘on’ zu sein. Natürlich hat das zur Folge, dass man sich auch jeden Messenger installieren muss, um jeden Service zu verwenden, sprich viermal im Endeffekt das selbe Programm bzw. der gleiche Funktionsumfang.

Das nervt, denn inzwischen sind alle Messenger aufgeblasene Tools, die den Anwender mit allerlei Werbung, Musik, Spielen, Flirtangeboten und Zusatzleistungen ‘zuschmeissen’, um wenigstens etwas Geld aus dem Instant Messaging herauszuquetschen.

Alternativen? Nicht wirklich.

Optisch ansprechend gestaltet und ohne jeden Schnickschnack: Trillian 3.1 Pro.

PC-Anwender können zumindest anstatt von vier Programmen den Wust an Software auf ein relativ kompaktes Produkt zusammenschrumpfen: Trillian. Leider gibt es das Paket nicht direkt vom Hersteller auch in Deutsch - nur eine lückenhafte Übersetzung von Privatleuten ist derzeit vorhanden. Trillian ansich ist ein hervorragendes Produkt und funktioniert wunderbar als Brückenschlag zwischen den Welten. Es gibt eine kostenlose Version, die Trillian Pro kostet nur $25.

Ein anderer Hoffnungsträger in Sachen Instant Messaging ist Jabber. Dies ist ein weiteres Messaging-Format, das ebenso wenig mit den anderen Netzwerken sprechen kann, dafür ist aber das Potokoll ansich OpenSource, sprich jeder kann sein eigenes Programm dazu kreieren. Bestes Beispiel dafür ist Google mit seinem neuen Talk-Produkt, das eben auf diesem offenem Protokoll basiert. Google-Talk ist kompakt und minimal - Instant Messaging und ’sonst nix’. Leider verwendet so gut wie niemand das Google-Netzwerk und damit steht jeder Anwender wieder vor dem Henne-und-Ei-Problem: wieso Mitglied in einem Netzwerk werden, solange keiner der jetzigen Kontakte es benutzt?

Instant Messaging zeigt einmal sehr schön, wie eigensinning grosse Firmen sind und auf geschlossene Systeme setzen anstatt offene Standards zu verwenden. Anstatt wie bei eMail und Web-Protokollen einen für alle freien Standard zu adaptieren, sitzen die Herrschaften ziemlich eifersüchtig auf ihren Marktanteilen.

Im Endeffekt büsst dies immer der Kunde. Früher oder später wird eine ‘offene’ Lösung den Markt aufrollen.

Beitrag von Dieter Mueller um 2005-08-30 (2:03).
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