Wir wollen unseren Bundesstream!

Unsere öffentlich-rechtlichen Bundessender gehören zu den bestfinanzierten Rundfunkanstalten auf diesem Planeten. Kaum ein anderes Land leistet sich derart viele und teure Landesanstalten, Sendezentren und Websites zur Information und Bildung des Volkes. Doch obwohl ZDF und ARD wahrlich Millionen Teuros für ihre Webauftritte ins Nirvana verpulvern, so scheitern sie schon bei simplen Aufgaben: einem Live-Stream.

Obwohl sich sich Deutschland rühmt eine ziemlich ‘phette’ Datenautobahn zu besitzen, scheint die öffentlich-rechtliche Versorgung mit Datenströmen mehr als ungesichert.

Weder ZDF noch ARD bieten das aktuelle Programm als kontinuierliche Streams an. Eine Unverschämtheit, da seit dem 1. April 2005 jeder PC ‘Rundfunkgebühren’ zahlen muss. Doch unsere Volkssender schaffen sie es nicht einmal wichtige Ereignisse wie die Bundestagswahl flächen- und breitband-deckend live zu streamen.

Buffering Bundeskanzler! Schröder oder Merkel? Wir wären erst einmal für ein vernünftiges Parteiprogramm in Sachen neue Medien und Breitband-Infrastruktur.

Bestes Beispiel dafür waren die Live-Streams zur ersten Fernsehdiskussion, wie auch die am sonntäglichen Wahlabend. Alles was Recht ist, aber die öffentlichen Breitband-Streams waren unter aller Kanone: weder der Real- noch der Windows-Media-Bilderflow ermöglichten ruckel- und stotterfreies Zuschauen. Und dafür zahlt man GEZ-Gebühren?

Die Lowband-Streams hingegen waren einigermaßen akzeptabel, aber ansich eine Lachnummer! Willkommen zum Bundesweb a la 1999.

Photoshop-Effektfilter? Nein, die Bundesmerkelin im Bundesstream.

Wieso kosten Online-Autritten der Landessendeanstalten bitteschön Millionen von Euros? Und wieso braucht jede dieser Landesanstalten unbedingt eine eigene grosse Website? Ist das eine ABM-Maßnahme für Parteikollegen?

Die redaktionelle Arbeit für die Websites von ZDF und ARD ist grösstenteils ein Abfallprodukt, die meisten News sind ohnehin von den üblichen Agenturen wie Reuters, AP und AFP eingekauft.

Das Videomaterial muss für den ‘normalen’ Sendebetrieb ohnehin besorgt werden. Weitreichende Sondersektionen wie sie zum Beispiel die gute alte BBC bietet sind in Teutonien nicht zu finden - dafür aber stundenlange Konservenstreams zu Herrn Kerner und seinen Plapperabenden.

Wenn Sie allerdings nach Dokumentationen oder anderen Bildungsmaterial suchen, dann kommen Sie mit den schlechten Suchfunktionen in den Videoarchiven der ARD- oder ZDF nicht sehr weit. Alte Sendungen sind so gut wie unerreichbar.

Soweit zum Bildungs- und Informations-Auftrag.

Es bleibt weiterhin ziemlich finster.

Der amerikanische Sende-Zwerg C-Span, der über ein lächerliches Budget im Vergleich zu den deutschen Schmuckstücken verfügt, schafft es 24-7 drei TV-Streams und ein Radioprogramm live im Real- und Windows-Media-Format zu streamen.

Also liebe Mainzelmännchen: wir wünschen uns weniger Medienpolitik, Kerners und Gottschalks auf dem Monitor, stattdessen die breitbandige Erfüllung des ursprünglichen Jobs: gute Information und Aufarbeitung des aktuellen Geschehens und eine bessere Bildung des Volkes.

Noch ist die PISA-Talsohle nicht überwunden.

Die Unterhaltungshows und Productplacements gehören nicht zum Pflichtprogramm, dass wäre dann die Kür, wenn der Rest endlich mal funktionieren würde.

Beitrag von Dieter Mueller um 2005-09-26 (10:38).
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