Sprechen Sie URL?

Fast jeder Hinz & Kunz besitzt heute seine eigene Web-Adresse. Ohne die drei magischen W’s kommt kein Unternehmer mehr aus - es wäre fast so keine Telefonnummer oder Briefkasten zu besitzen. Im Gegensatz zu 1996 ist es heute schwer einen Domain-Namen zu ersinnen, der nicht schon belegt oder in eifriger Verwendung ist. Eine gute URL ist immer noch Gold Wert - man erinnere sich nur wie sich zwei Unternehmer jahrelang um die Adresse Sex.com stritten.

Doch viele Firmen und Web-Designer scheinen sich heute nicht mehr um ‘gute’ URLs zu kümmern oder gar handhabbare Adressen. Inbesondere eine gute Merkbarkeit oder gar die Navigation innerhalb einer Domainstruktur sind inzwischen vielen vollkommen egal - ein kapitaler Fehler.

Dabei sind die grundliegenden Regeln eigentlich so einfach …

Startseite

Zu jeder Webdomain gehört eine Startseite, die nach altem Strickmuster einfach index.html oder index.php heisst und eigentlich in der URL eigentlich NICHT erscheinen sollte. Im Normalfall geben Sie zum Beispiel einfach www.spiegel.de ein und die Startseite kommt hoch auch wenn sie nicht genau www.spiegel.de/index.hmtl eingegeben haben.

Macht ja auch Sinn, die Hauptadresse sollte einfach und knackig zu merken sein, so dass sich Kunden die paar Buchstaben schnell einprägen können. Ebenso sollte die Hauptadresse beim Aufruf keine merkwürdigen Zusätze produzieren, wie zum Beispiel die Startseite von www.heute.de:

Sag mir, was sollen mir die Zahlen sagen?!

Wenn Sie diese Hauptseite anspringen, so erscheint nicht einfach die www.heute.de-URL, sondern gleich ein ganzer WWW-Tatzelwurm, dessen Sinn oder Unsinn sich keinem Surfer erschliesst. Bitte was hat 0,1360,,00.html mit der Startseite zu tun?

URLs aus Amazonien - ziemlich verschlungen und ellenlang …

Sie sehen, dass die URL-Verbiegungen keine Seltenheit sind. Im Sinne einer konsistenten Benutzerführung ist dies verwirrend: Wieso ändert sich die Adresse, die ich eingegeben habe, obwohl ich nirgendo anders gelandet bin?

Verzeichnisbaum

Ansich bietet das Hypertext-Protokoll die wunderbare Möglichkeit Adressen mit sogenannten Subdomains oder Unterverzeichnissen hierarchisch anzuordnen. Der Vorteil wäre, dass die Adresse und die dazugehörigen Seiten semantisch gesehen Sinn machen.

Hier ein einfaches Beispiel vom weltgrössten Katalog eBay:

Die Start-URL von eBay: sauber, einfach und kurz. So soll es sein. Kein unnötiger URL-Müll oder plötzliches Phantom-Unterverzeichnisse wie bei der heute.de-URL.

Wir wechseln in die Produktkategorie Baby, die logischerweise einfach und prägnant auch durch die URL in Form einer Subdomain angegeben wird. (Kurzer Hinweis: würde das ‘baby’ nach der ebay.de stehen, dann wäre es ein Unterverzeichnis und keine Subdomain mehr.)

Nun eine Kategorie tiefer zur Bettaustattung. Hier gibt uns eBay eine Mischung aus Subdomain und Unterverzeichnis wieder - plus einer sehr hässlichen Session ID. Übrigens, die URL http://baby.listings.ebay.de/Bettausstattung funktioniert auch ohne die Session ID.

Der Sinn einer sauberen und logischen URL liegt darin dem Kunden durch die Adresse zu sagen wo er sich befindet.

Zusätzlich wandert diese URL auch in die Bookmarks, falls sich der Kunde dazu entschliesst eben diese Adresse in seine Favoriten zu kopieren. Viele URLs sind weder gut durch Metatags beschrieben, noch durch ihre URL entzifferbar. Eine Adresse a la ‘baby.listings.ebay.de/Bettausstattung’ ist auch später entzifferbar - während hingegen ‘ebay.de/cat?sad445&43§fdsf09066′ klassisches URL-Chinesisch wäre.

Nicht zu vergessen sei auch der Copy & Paste-Effekt. Viele User tauschen gerne gute Webadressen aus oder schicken sich zum Beispiel Shoppingtipps via eMail. Wenn Ihre Domain-URL sammt Produktkennung zu lang ist, dann schneiden einige eMail-Programme diese einfach durch und der Link funktioniert nicht mehr. Das Resultat ist ein frustrierter Kunde, der auf einer 404-Seite landet: Wir könnten das gesuchte Produkte leider nicht finden.

Session IDs

Viele eCommerce-Webapplikationen benutzen Session IDs um den Kunden und Kaufvorgang miteinander zu verbinden - nicht nur zur Identifizierung, sondern auch aus Sicherheitsgründen.

In den Urtagen des Webs bot sich zur ‘Übergabe’ der Session ID die URL an - indem man die Session ID einfach dranhängt. Einfach und simpel - aber inzwischen auch hässlich und unnötig, da sich die Session ID auch durch andere technische Möglichkeiten wie Session-Cookies weitergeben lässt.

Amazon.com ist Weltmeister in ewiglangen und vor allem nichtssagenden URLs - sammt Session ID. Der erste Teil der URL ist der Produktcode - ohne den kein Shop auskommt. Insbesondere bei einem riesigen Produktangebot kommt man um komplexe URLs nicht herum, doch gerade aus diesem Grund sollte man die Adresse nicht noch unnötig verlängern.

Besonders ärgerlich ist es, wenn solche URLs an Freunde und Kollegen verschickt werden und der Shop die natürlich abgelaufene Session ID mit einer Fehlermeldung quittiert: Sorry, Ihre Session ist längst im Datennirvana vergangen - Wiedersehen!

Umlaute und Sonderzeichen

Insbesondere wir Teutonen sind mit unseren Umlauten nicht sonderlich URL-kompatibel. Müllers Bürstenbörse wäre zum Beispiel ein kompletter URL-Alptraum. Und das, obwohl angeblich Umlaut-Domains inzwischen erlaubt sind - aber in der Regel doch nur für Aerger sorgen, da die Kunden doch noch so halb mitdenken und den ‘Müller’ als ‘mueller’ eingeben.

Hinzu kommt das alte Spiel eine Domain in allen Schreibweisen zu kaufen, damit bei etwaigen Vertastern der Kunde doch bei einem landet.

Ein Fall dieser Art ist www.buecher-kaufen.de - bei dieser Domain hat sich der Betreiber nur diese eine Domain gesichert, nicht aber verschiedene Schreibweisen wie www.bücher-kaufen.de oder www.buecherkaufen.de (also ohne Bindestrich), wie auf www.buecherkaufen.com oder www.bucher-kaufen (für Verschreiber).

Domainkauf und Server-Konfiguration sind hier kriegsentscheident, denn man möchte natürlich keine Kunden verlieren, weil sich der einen Buchstaben vergessen hat. Und Domain-Namen kosten heute ja keine Unsummen mehr.

Eine knackig-logische URL-Struktur macht auch weiterhin Sinn, für Entwickler ebenso wie für den Endkunden.

Beitrag von Dieter Mueller um 2005-11-21 (15:59).
Sie können die Antworten zu diesem Beitrag via folgenden RSS 2.0-Feed verfolgen.
Bitte hinterlassen Sie einen Kommentar oder senden Sie einen Trackback-Ping von Ihrem eigenen Blog.

Ihr Kommentar bitte?

Bitte keine Fakes oder Beleidigungen. Danke!




Bitte beachten Sie:Kommentare werden moderiert und erscheinen nicht sofort. Wir bitten um Geduld.