T-Wiedervereinigung

Früher, damals, seinerzeit - in den goldenen Tagen der Startup schossen Ronnie und Hans die T-Aktien in den Börsenhimmel und der teutonische Kleinanleger zeichnete wie verrückt. Eine neue Cashcow war geboren - allerdings nicht für die Anleger, sondern für den Staat. Nach dem berühmten Prinzip ‘aus eins mach zwei’ kam es nicht zu einem Aktiensplit, sondern einen Companysplit. T-Online wurde aus der T-Familie ausgegliedert. Und wieder rollte der Rubel - allerdings auch wieder in die falsche Richtung.

Doch das Börsendrama war damit bei weitem noch nicht ausgestanden.

Nachdem T-Onlines DSL die Technologie der Zukunft ist und im Endeffekt das Telefonnetz der Telekom ablösen wird - entschloss sich die Mutter sich wieder die Tochter einzuverleiben. Schliesslich macht es ja Sinn alles aus einer Hand anzubieten: Leitung, DSL und VOIP. Wieso hat das vorher keiner beim T-Vorstand kapiert?

Die -TAnleger bekommen natürlich bei der Übernahme durch T-Mutti ein paar Krümmelchen ab - allerdings nicht im geringsten im Gegenwert des Ausgabekurses oder Potential von T-Online-Aktie. Kein Wunder, dass die Herrschaften wenig begeistert waren und vor Gericht eine einstweilige Verfügung gegen die Fusion erwirkten (ZDF-Video hier).

Kleingeister contra Wirtschaftsaufschwung?

Nein, im Gegenteil. Jahrelang prügelte man dem Deutschen endlich ein Volk der Investoren zu werden - so wie ihre angelsächsischen Bürder und Schwester. Doch die Implosion des Neuen Markts zeigte, dass die Firmengründer eher an der Abzocke als an der Gründung von langlebigen Unternehmen interessiert waren.

Diese Abzockmentalität zeigt sich auch hinter der T-Wiedervereinigung: T-Online gab einen vier Millarden Kredit an die Telekom. Die Rückzahlung dieses Kredits verfällt natürlich bei einer Verschmelzung. So gesehen ist die T-Fusion ein doppeltes Schnäppchen: Geld gespart und die Angebotspalette erfolgreich erweitert.

Die wirklich katastrophale Auswirkung dieses Deals ist, dass der deutsche Anlegern einmal mehr ausgenommen und damit die Grundlage für eine vernünftige Börsenkultur auf allen Volksebenen zerstört wird. Kein Wunder also, dass für echte Startups oder andere börsenwürdige Unternehmen das Geld fehlt und den Kleinanlegern die Begeisterung für neue Ideen. Inbesondere in einer Zeit, in der das Land neue Impulse und neue Unternehmen braucht.

Beitrag von Dieter Mueller um 2005-12-07 (12:15).
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